Kunstpreis des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg e.V. der 94. Jahresschau

94. Jahresschau Oberpfälzer und niederbayerischer KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen

12. September bis 11. Oktober 2020


Corona zum Trotz: Die traditionelle Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins kann auch im 94. Jahr stattfinden, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen. Nach den geforderten Auflagen ist die Besucherzahl begrenzt, es besteht Maskenpflicht und Abstandsgebot – und, was besonders bedauert wird: Die allseits beliebte und immer stark frequentierte Vernissage muss leider ausfallen.
Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise war das Interesse der Künstlerschaft an der Jahresschau so groß wie seit Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden 477 Werke von 205 Künstlerinnen und Künstlern aus Niederbayern und der Oberpfalz eingereicht; 141 Arbeiten (von 110 Kunstschaffenden) wählte die auswärtige Jury für die Ausstellung aus.
Das dreiköpfige Jury-Team bestand diesmal aus zwei Kunstexpertinnen, die zum ersten Mal dabei waren, nämlich Dr. Marion Bornscheuer, Direktorin des Museums Moderner Kunst in Passau, und Dr. Christina Lanzl, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses in Schwandorf, sowie dem Kunstwissenschaftler Marco Hompes, Museumsleiter der Villa Rot in Burgrieden, der nach zweimaliger Mitwirkung nicht mehr zur Verfügung stehen wird.
Zur Bestimmung des Nachwuchspreises für Künstler*innen unter 40 Jahren wurde wie gewohnt das Auswahlgremium erweitert, nämlich um Dr. Maria Baumann, Konservatorin und Leiterin der Kunstsammlungen der Diözese Regensburg, und Peter Lang, Autor und Herausgeber des „Kulturjournal Regensburg“, sowie um zwei Vorstandsmitglieder des KuGVR, nämlich Heiner Riepl (2. Vorsitzender) und Tony Kobler (Kommissarischer 3. Vorsitzender und Sprecher des Kunst- und Ausstellungsausschusses).
Auch in diesem Jahr – wie schon einige Male vorher – konnte sich die Jury nicht auf eine/n Preisträger/in einigen. Gleichzeitig wurde diesmal auch das „ungeschriebene Gesetz“ aufgehoben, wonach der mit 1500 € dotierte Preis nicht mehrmals an eine Person gehen sollte.
Den Kunstpreis der 94. Jahresschau 2020 erhielten somit zu gleichen Teilen Lena Schabus und Johannes Steubl, die beide – wie der Zufall es will – bereits 2016 bzw. 2019 mit einem jeweils geteilten Preis ausgezeichnet wurden. Die Jury wollte damit vor allem auch deren künstlerische Weiterentwicklung würdigen.


[Auszug aus der Würdigung der Preisträger durch die Jury-Mitglieder Marco Hompes und Tony Kobler:]


„[…] Der geborene Rodinger Johannes Steubl ist Absolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bildende Kunst und Ästhetische Erziehung der Universität Regensburg. Er entwickelt als fulminanter Zeichner und Maler surreal-organischer Gestaltkompositionen irritierend unheimliche, technoid anmutende Menschen- und Tiermotive.
Die erneute Anerkennung für das interessanteste künstlerische Konzept erfolgte aufgrund der hohen malerischen Qualität in „Tier, eine Unterhose anziehend“. Dunkeltonige Malerei vereint
darin abstrakte und figürliche Elemente derart, dass das skurrile Motiv – ein unbeholfenes Wesen, das ein rosafarbenes Textilstück über seine stacheligen Schenkel zu streifen versucht – sich deskriptiver Eindeutigkeit entzieht und das Dargestellte bis zum Schluss rätselhaft bleibt: Eine originelle, malerisch verdichtete Bildsprache, konsequent weiter geführt.


Die preisgekrönte Fotomontage „Brot&Spiele“ von Lena Schabus (Kunstpreisträgerin der 90. Jahresschau 2016) spielt mit der Wechselwirkung von visueller Logik und latent surrealen Suggestionen. Seit sechs Jahren widmet sich die Künstlerin des Künstlerhauses Andreas-Stadel konsequent dem „Bildcomposing“, einer künstlerischen Technik, die auf handwerklich perfekter Täuschung beruht: Digitale Fotografien werden so bearbeitet, collagiert und montiert, dass sie auf den ersten Blick eine plausible Realität suggerieren. Erst beim zweiten Hinsehen enthüllen sie zumeist beunruhigende, dystopische Bildwelten, die einen subversiven Aufstand der Dinge inszenieren. So auch in Schabus‘ preisgekrönter Arbeit, deren Titel ironisch auf urban verdichtete Wohnverhältnisse hinweist: übertrieben eng montierte, unglaubwürdig überhöhte Plattenbauten mit einem vorgelagerten, viel zu kleinen, eingezäunten Sportplatz als zweifelhafter Freizeitstätte.

[Quelle: Pressemitteilung des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg]

 

v.l.n.r. Georg Haber, Tony Kobler, Lena Schabus, Johannes Steubl (Foto: Julia Knorr)
Preisträgerbild Johannes Steubl
Preisträgerbild Lena Schabus